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Geschichte

Ein Schriftlogo mit der Aufschrift Revolution Demokratie

Die friedliche Revolution in Sachsen 1989/1990

Ein Plakat während der Montagsdemo in Leipzig 1989.
Montagsdemonstration in Leipzig 1989.  © Henry Krause

Freiheit und Demokratie: Sachsens Aufbruch in die Deutsche Einheit und europäische Einigung

Die Friedliche Revolution des Jahres 1989 in der DDR hat zweifellos ihren Höhepunkt in Sachsen, kann aber nicht losgelöst vom europäischen Umfeld und der weltpolitischen Entwicklung gesehen werden: Neben der Reformpolitik Michail Gorbatschows in der Sowjetunion und dem Ende des atomaren Wettrüstens sind es vor allem die Freiheitsbewegungen in Polen, der Tschechoslowakei, in Ungarn und im Baltikum, die den Prozess der Friedlichen Revolution in der DDR erst ermöglicht haben.

Die Friedliche Revolution hatte Vorbedingungen innerhalb der DDR. Nach der Zerschlagung des frühen Widerstandes gegen die Errichtung der kommunistischen Diktatur und der Massenflucht etablierte sich Ende der 1970er Jahre eine Friedens-, Umwelt- und Menschenrechtsbewegung. Sie fand zunehmend Schutz unter dem Dach von Kirchen. Auch die »Ökumenische Versammlung für Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung« war von Bedeutung.

Eine Menschenansammlung während der Montagsdemo 1989 in Leipzig.
Montagsdemonstration in Leipzig 1989.  © Henry Krause

Besonders nach der Unterzeichnung der Schlussakte von Helsinki 1975 formierte sich eine Ausreisebewegung. Im künstlerischen und intellektuellen Raum erhoben sich Kritik und Protest. Der Protest gewann durch die starke Erosion der zentralen Planwirtschaft an entscheidender Dynamik.

Davon ausgehend entwickelte sich im Sommer 1989 ein breiter werdender Protest. Die SED war nicht mehr in der Lage die Gründung neuer Bürgerbewegungen und Parteien zu verhindern. Immer mehr Menschen gingen auf die Straße, um Freiheit und Demokratie zu fordern. In Plauen und Dresden gab es am 7. und 8. Oktober ein erstes Zurückweichen der Diktatur. Am 9. Oktober 1989 stellten sich trotz drohenden Schießbefehls weit mehr als 70.000 Menschen aus allen Teilen der DDR in Leipzig mit den Rufen »Wir sind das Volk« und »Keine Gewalt« friedlich dem SED-Regime entgegen.

Der gewaltfreie Verlauf dieser Montagsdemonstration ermutigte Viele und war der entscheidende Durchbruch. Die Menschen errangen im ganzen Land die Freiheit und erzwangen am 9. November 1989 die Öffnung der Berliner Mauer sowie der innerdeutschen Grenze. In vielen Städten und Gemeinden bildeten sich Runde Tische, um die Demokratisierung auf den Weg zu bringen. Anfang Dezember wurden Stasi-Dienststellen besetzt und aufgelöst. An der ersten freien Volkskammerwahl beteiligten sich am 18. März 1990 fast 94 Prozent der Wahlberechtigten.

Impressionen der Montagsdemonstration in Leipzig im Herbst 1989

Die Revolution und die Gründung des Freistaats Sachsen vor 100 Jahren

Die Niederlage des Deutschen Reiches im 1. Weltkrieg führte zu einem Zusammenbruch der politischen Ordnung. Bestimmende Akteure waren zunächst die Arbeiter- und Soldatenräte und die gut organisierten Parteien der Arbeiterbewegung. Die Ausrufung der Republik erfolgte am 10. November durch den »Vereinigten revolutionären Arbeiter- und Soldatenrat von Groß-Dresden« im Zirkus Sarrasani.

Die provisorische Regierung führte das allgemeine, gleiche, freie, unmittelbare und geheime Wahlrecht ein. In Sachsen bekamen die MSPD und die USPD bei der Wahl zur sächsischen Volkskammer am 2. Februar 2019 eine deutliche Mehrheit (58 Prozent).

Diese Mehrheit konnte nur begrenzt in politisches Handeln umgesetzt werden, weil die Vorstellungen von der neuen politischen Ordnung innerhalb der Sozialdemokratie zu unterschiedlich waren. Während der radikale Flügel nun endlich eine sozialistische Umgestaltung der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse angehen wollte, sahen die Mehrheitssozialdemokraten die Gelegenheit für die Einführung einer parlamentarischen repräsentativen Demokratie gekommen.

Diese Differenzen führten im Januar 1919 zum Ausscheiden der USPD-Minister aus dem sächsischen Revolutionskabinett und dem Scheitern der Koalitionsverhandlungen im März. Am 14. März wurde Georg Gradnauer zum Ministerpräsidenten gewählt. Er bildete eine Minderheitsregierung der Mehrheitssozialdemokraten.

Zeitlicher Ablauf

  • 25./26. Oktober    Rücktritt der noch im Amt befindlichen Minister / Einsetzung eines Staatsrates
  • 6. November     3.000 Soldaten der Fliegerkaserne in Großenhain wählten den ersten Soldatenrat in Sachsen
  • 8. November    Revolutionäre Aktivitäten meuternder Soldaten und Arbeiter in Leipzig, Chemnitz, Dresden und anderen sächsischen Städten / Massenkundgebung auf dem Theaterplatz in Dresden
  • 10. November    Zusammenschluss zweier Arbeiter- und Soldatenräte zum „Vereinigten revolutionären Arbeiter- und Soldatenrat von Groß-Dresden“ im Zirkus Sarrasani – Ausrufung der Republik
  • 13. November    Verzicht Friedrich Augusts III. auf den Thron
  • 14. November     „Proklamation an das sächsische Volk“ durch führende Mitglieder der Arbeiter- und Soldatenräte von Leipzig, Chemnitz und Dresden; Einsatz einer Revolutionsregierung „Rat der Volksbeauftragten“
  • 15. November    Bildung eines sächsischen Revolutionskabinetts (paritätische Besetzung durch USPD und MSPD)
  • 18. November    Regierungserklärung
  • 28. November    Einführung des allgemeinen, gleichen, freien, geheimen und direkten Wahlrechts für die Männer und Frauen, die das 20. Lebensjahr vollendet hatten.
  • 17. Januar 1919    Ausscheiden der USPD-Mitglieder aus der Revolutionsregierung
  • 2. Februar    Wahlen zu sächsischen Volkskammer (MSPD 42 %, USPD 16 %)
  • 25. Februar    Konstituierung der sächsischen Volkskammer
  • 28. Februar    Verabschiedung eines vorläufigen Grundgesetzes durch die sächsische Volkskammer
  • 10. März     Scheitern der MSPD-USPD-Verhandlungen zur Bildung einer Koalition
  • 14. März    Wahl von Georg Gradnauer zum Ministerpräsidenten (Minderheitskabinett der MSPD)
  • 12. April    Ermordung des Ministers für Militärwesen Gustav Neuring (MSPD)
  • 13. April    Verhängung des Ausnahmezustandes durch die Regierung Gradnauer
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